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Behandlung mit Cannabisblüten, Sativex und co.

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Geschrieben von Jana Delzer
Aktualisiert am Februar 10, 2020

Bewertung (5 / 1)

Seit dem Jahr 2017 können Ärzte in Deutschland medizinisches Cannabis per Rezept verschreiben. Dazu bedarf es keiner Sonder- oder Ausnahmegenehmigungen mehr. Erfahren Sie in diesem Artikel, welche Behandlungsmöglichkeiten medizinische Cannabisblüten oder Medikamente wie etwa Sativex bieten. 

Medizinisches Cannabis in Deutschland 

Als der Bundestag die Gesetzesänderung “Cannabis als Medizin” im Jahr 2017 einstimmig verabschiedete, war dies Grund zur Freude für Tausende Kranke in Deutschland. Das veränderte Gesetz ermöglicht es ihnen, schneller und einfacher eine Behandlung mit Cannabis zu erhalten. Seither können nämlich Ärzte jeder Fachrichtung (ausgeschlossen Veterinärmediziner) medizinische Cannabisprodukte und Cannabisblüten auf Rezept verschreiben. 

Für Deutschland war dies ein enormer Schritt. Folglich hat sich in den letzten Jahren auf dem deutschen Markt auch viel getan. Trotzdem hinkt man hierzulande in Sachen Medizinalcannabis im Vergleich zu anderen Ländern wie den USA oder Israel noch ziemlich hinterher. Weiter ist die Versorgungslage insbesondere mit Cannabisblüten immer noch lückenhaft. Allerdrings besteht besteht große Hoffnung, dass sich dies noch in diesem Jahr, mit der ersten deutschen Ernte, bessern wird. 

Probleme für Patienten

Derzeit stellen auch die Krankenkassen eine weitere Hürde dar. Patienten können zwar einen Antrag auf Kostenübernahme stellen, bevor sie das erste Rezept erhalten und theoretisch dürfen die Kassen diesen auch nur in begründeten Ausnahmefällen ablehnen. Allerdings bestätigen bisher oft genau jene Ausnahmen die Regel. Das heißt, dass Betroffene häufig erst Rechtsmittel einlegen, bevor die Kassen die Kosten dann schließlich doch übernehmen. 

Welches medizinische Potenzial steckt in Cannabis?

Seit Jahrtausenden verwenden Menschen auf der ganzen Welt Cannabispflanzen aufgrund ihrer vielseitigen Wirkung. Wissenschaftlich hat besonders die Entdeckung von Cannabinoiden und des körpereigenen Endocannabinoidsystems in den 1990er Jahren den Grundstein dafür gelegt, dass man medizinische Wirkungen der Cannabispflanze nachweisen konnte. Weiterhin stellten die Wissenschaftler fest, dass die Cannabinoidrezeptoren CB1 und CB2 im menschlichen Körper mit Cannabinoiden wie etwa THC und CBD interagieren können. Weiter kann diese Interaktion zur Aufrechterhaltung der Homöostase beitragen. Das heißt, dass ein Gleichgewicht der physiologischen Körperfunktionen herrscht. Hierzu gehören zum Beispiel eine konstante Körpertemperatur oder ein gleichbleibender pH-Wert des Blutes. 

Entwicklung in Deutschland

Im deutschsprachigen Raum haben sich in diesem Bereich besonders Dr. Franjo Grotenhermen und Dr. Kirsten Müller-Vahl einen Namen gemacht. In einer gemeinsamen Untersuchung aus dem Jahr 2012, die das Ärzteblatt veröffentlichte, konnten sie verdeutlichen, dass Cannabinoide sehr wohl einen therapeutischen Nutzen bei verschiedensten Erkrankungen haben. 

Weltweit gibt es derzeit mehr als 100 klinische Studien zu der Wirkung von Cannabinoiden. Sie legten den Grundstein dazu, dass Cannabisblüten, oder Arzneimittel, wie etwa Nabilon oder Sativex bei Patienten zum Einsatz kommen können. 

Im Folgenden stellen wir Ihnen die Behandlungsmöglichkeiten in Deutschland detaillierter vor. 

Getrocknete Cannabisblüten

Neben bereits fertigen Medikamenten ist es den Ärzten in Deutschland möglich, getrocknete Cannabisblüten zu verschreiben. Die Patienten können diese dann beispielsweise mit einem Vaporizer dampfen. Dadurch entfaltet Cannabis seine Wirkung am schnellsten. Außerdem ist es möglich, die Blüten weiterzuverarbeiten, wie etwa in Gebäck.

Weiterhin stehen den Patienten verschiedene Cannabissorten zur Verfügung. Diese unterscheiden sich vor allem in ihrem Cannabinoidgehalt und haben entsprechend eine unterschiedliche Wirkung. Genau das ist besonders wichtig, da nicht jede Sorte gleich wirkt. Der Arzt schreibt die Cannabissorte aber auf das Rezept, weswegen man die Cannabisblüten nicht frei in der Apotheke wählen kann. Darum sollten Patienten darauf achten und Änderungen gegebenenfalls mit ihrem behandelnden Arzt besprechen.

Rezepte einreichen

Wer in Deutschland ein Rezept für Cannabisblüten hat, kann dies bei Apotheken einreichen. Folglich geben sie sie dann häufig in 5 oder 10 Gramm Dosierungen aus. Außerdem ist es möglich, dass die Blüten als Ganzes oder auch bereits zerkleinert herausgegeben werden. Ein Gramm kostet durchschnittlich 15€. 

Woher kommt das Medizinalcannabis?

Das derzeit ausgegebene Cannabis stammt noch nicht aus Deutschland, sondern wird vorwiegend aus den Niederlanden oder Kanada importiert. Allerdings soll sich dies ab diesem Jahr ändern. Grund ist, dass die eigens vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) einberufene Cannabisagentur den staatlich kontrollierten Cannabisanbau in Deutschland überwachen soll. Dafür musste sie aber erst eine Ausschreibung machen, da bisher keine passende Infrastruktur zur Verfügung stand. Daraufhin haben 3 Unternehmen den Zuschlag erhalten. Von ihnen werden sich 2 auf den medizinischen Anbau und die dritte Firma auf die Gewinnung von Cannabis für wissenschaftliche Zwecke fokussieren. Entsprechend erwarten man die erste deutsche Erntefür das letzte Quartal 2020.

Eine Therapie mit Medizinalcannabis ist bei chronischen Schmerzen, chronischen Darmerkrankungen (z.B. Morbus Crohn), Epilepsie, Tremor, Krebs- und AIDS-Patienten oder etwa dem Tourettesyndrom möglich. 

Sativex

Bei Sativex® handelt es sich um das erste Medikament auf Basis von Cannabis, das vollständig in mehr als 20 Ländern weltweit zugelassen wurde. Seit 2011 ist das Mundspray, das den Wirkstoff Nabiximol (3,8 – 4,4 mg) enthält, verfügbar. 

Seine therapeutische Wirkung basiert auf dem mit flüssigen Kohlenstoff extrahierten Dickextrakt, den man aus der den Blättern und Blüten der Cannabispflanze gewinnt. Dabei ist das Mischverhältnis der beiden Cannabinoide THC (Dronabinol) zu CBD gleich. In Sativex findet man den Cannabisextrakt Nabiximol. 

Das Medikament verschreibt man gewöhnlich erwachsenen Patienten, die an Multipler Sklerose erkrankt sind und unter mittelschweren bis schweren Spastiken leiden. Als Off-Label-Behandlung verschreibt man es auch jenen Patienten, die Epilepsie oder neuropathische Schmerzen haben. 

1 ml Sativex Spray besteht aus 27 mg THC, 25 mg CBD, 0,4 g Alkohol (50% V/V) Pfefferminzöl Propylenglycol

Dronabinol

Dronabinol ist die pharmakologische Bezeichnung für Delta-9 Tetrahydrocannabinol (THC). Seine Wirkung entspricht der von Cannabisblüten. Firmen wie THC Pharm oder Bionorica Ethics stellen den Stoff aus Faserhanf her und Ärzte können es mit einem Rezept ihren Patienten verschreiben- 

Dronabinol steht den Apothekern in Deutschland nur als Rezepturarzneimittel zur Verfügung. Das bedeutet, dass sie das Medikament erst individuell herstellen müssen. Dieses wird von Apothekern nach Vorschrift verarbeitet. Dafür stellen sie eine Lösung aus dem raffiniertem Cannabisölharz sowie den mittelkettigen Triglyceriden her. Normalerweise benutzt man Dronabinol in Form von öligen Tropfen.

Verwendung von Dronabinol

Bei der Anwendung von Dronabinol ist darauf zu achten, dass man es peroral einnehmen muss. Das bedeutet, dass man es weder verdampfen noch inhalieren darf, da hierdurch Nebenwirkungen auftreten können, die gesundheitsgefährdend sind. 

Weiter ist es wichtig anzumerken, dass Dronabinol zwar verschreibungspflichtig ist, die Krankenkassen aber trotzdem nicht generell dazu verpflichtet sind, die Kosten für die Behandlung zu übernehmen. 

Dronabinol setzt man etwa gegen Übelkeit und Erbrechen, wie sie bei Chemotherapien zum Einsatz kommen oder Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust von Patienten, die an HIV/AIDS leiden ein. Generell kann das Präparat aber im Rahmen des Cannabis-Gesetzes auch in allen anderen Anwendungsgebieten, wie etwa Depressionen, Arthrose oder chronischen Schmerzen genutzt werden. 

Nabilon

Bei Nabilon handelt es sich um einen Wirkstoff, der sich etwa in den Kapseln Canemes® befindet, die man oral einnimmt. Genauer gesagt ist es vollsynthetisches Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC). 

Nabilon verwendet man vor allem gegen Übelkeit und Erbrechen bei Patienten, die unter den Nebenwirkungen einer Chemotherapie leiden. Weiter verwendet man den Wirkstoff auch bei Krebspatienten, die auf andere Möglichkeiten der Behandlung nicht ansprechen. Weiter verwendet man ihn auch bei Patienten, die an AIDS erkrankt sind und unter Gewichtsproblemen (Untergewicht) leiden. 

Selbstverständlich handelt es sich hier nicht um ein frei verkäufliches Produkt und entsprechend muss es von einem Arzt durch ein Rezept verschrieben werden. 

Cannabis und Cannabis-Medikamente

Wie in diesem Artikel deutlich wurde, liegen im Bereich medizinischer Nutzung von Cannabis noch viele Stolpersteine im Weg, wie etwa die Problematik mit der Kostenübernahme durch die Krankenkassen. Trotzdem kann man sicherlich sagen, dass die Möglichkeit, medizinisches Cannabis in Form von Blüten oder Medikamenten, wie Sativex vielen Patienten in Deutschland eine echte Alternative bietet und Abhilfe schafft. 

Wir dürfen gespannt auf viele Entwicklungen und zukünftige Therapiemöglichkeiten warten. 

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