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Was ist THC? – für Dummies erklärt

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Geschrieben von Mark Schneider
Aktualisiert am Juli 20, 2019

Wussten Sie, dass den Wissenschaftlern derzeit mehr als 100 Cannabinoide bekannt sind? Fast alle kommen auf natürliche Weise in der Cannabispflanze vor. Einige dieser Verbindungen hat man erst kürzlich entdeckt, andere sind Forschern jedoch schon seit geraumer Zeit bekannt. Die bekanntesten zwei Cannabinoide, von denen Sie mit ziemlicher Sicherheit schon gehört haben, sind Cannabidiol (CBD) und Tetrahydrocannabinol (THC).

Die Cannabispflanze produziert im Laufe ihres Lebens mehr als 400 verschiedene chemische Verbindungen. Das Vorhandensein von nur einer dieser Verbindungen hat das Schicksal der Pflanze fast ein Jahrhundert lang besiegelt. Das liegt daran, weil diese eine Verbindung so mit dem menschlichen Körper interagiert, dass sie psychoaktive Effekte hervorruft – ein „High“. Wie Sie vielleicht vermutet haben, handelt es sich bei dieser Verbindung um keine andere als THC.

THC, Tetrahydrocannabinol mit vollständiger Bezeichnung, ist einer von 113 Wirkstoffen, die in der Cannabispflanze vorkommen. Aber es gibt einen äußerst wichtigen Unterschied, der es von allen anderen unterscheidet: er ist sehr psychoaktiv. Was genau ist THC und warum erzeugt es diese Reihe von angenehmen und manchmal aber auch unerwünschten Effekten? Wie wirkt es sich auf den Körper und das Gehirn aus? Kann man es sicher verwenden oder ist es so gefährlich wie Heroin, wie man ab und zu in verschiedenen Medien berichtet?

Hier ist Ihre gründliche und ausführliche Erklärung zu THC.

Was ist THC?

Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) ist eine Chemikalie, welche die Drüsen der Cannabispflanze ausscheidet. Es kommt normalerweise in hohen Dosen um die Fortpflanzungsorgane herum und auch in der Blüte der weiblichen Pflanze oder in den Harzdrüsen der Knospe vor.

Obwohl THC eine von mehr als 100 chemischen Verbindungen (Cannabinoide) ist, die in der Cannabispflanze vorkommen, ist es der primäre psychoaktive Inhaltsstoff. Man schenkt THC dank des mit ihm verbundenen „Highs“ aber fast die ganze Aufmerksamkeit geschenkt.

Während die meisten Menschen das Cannabinoid benutzen, um high zu werden, verwendet die Marihuana-Pflanze sein THC, um natürliche Feinde wie Viren, Bakterien und Parasiten abzuwehren. Obwohl THC bei Menschen keine antibakteriellen Eigenschaften hervorruft, ist CBG (Cannabigerol) eine nicht psychoaktive Verbindung von Cannabis, die dies tut.

Seine chemische Formel ist C₂₁H₃₀O₂ und, ob Sie es glauben oder nicht, in seiner Struktur und Molekularmasse ist THC CBD sehr ähnlich. Es steht für eine Vielzahl von Anwendungen sowohl für medizinische Zwecke als auch für den Freizeitgenuss. Es man kann in Lebensmitteln, Ölen, Tinkturen, Sirupen, Medikamenten, Tropfen und topischen Mitteln, einschließlich Balsam und Lotionen zur Entzündungshemmung, verwenden.

THC und das Endocannabinoidsystem: Wie es wirkt

Das Verständnis der Biochemie von Cannabis ist der Schlüssel zum Verständnis darüber, wie es uns beeinflusst. Tatsächlich ist der Begriff „Schlüssel“ eine hervorragende Metapher für die Erklärung des Endocannabinoidsystems (ECS). Das ECS ist ein expansives System aus chemischen Rezeptoren (Schlössern) und Chemikalien, die an diese Rezeptoren (Schlüssel) binden. Einige Schlüssel funktionieren nur für ein bestimmtes Schloss, während andere Schlüssel in mehrere Schlösser passen. Der menschliche Körper hat sich weiterentwickelt, indem er seine eigenen Schlüssel (endogene Cannabinoide) für diese Schlösser herstellt.

Darum geht es bei den berüchtigten „Runners High“. Anandamid löst diesen Rausch, nach dem sich Läufer sehnen, aus. Es ist der Schlüssel, der an Cannabinoidrezeptoren (Locks) im Nervensystem bindet. Anandamid ist das natürliche Äquivalent zu THC.

Erstaunlicherweise hat die Wissenschaft entdeckt, dass Cannabinoide aus der Cannabispflanze zufällig an dieselben Rezeptoren binden. Es sind die Schlüssel der Natur, welche in die Schlösser des ECS passen.

Wenn Sie Cannabis verwenden, bringen Sie Cannabinoide in Ihren Körper ein. Sobald sie sich dort  befinden, metabolisiert sie der Körper und so gelangen sie in die Blutbahn. Von hier binden sie an die CB1 und CB2 Rezeptoren, die sich im Zentralnervensystem und im Gehirn befinden. CB1 Rezeptoren sind im Gehirn häufiger anzutreffen, während CB2 Rezeptoren ausschließlich in Zellen des Immunsystems vorkommen. Darum hat Cannabis neben jenen für den Freizeitgebrauch auch einen bedeutenden medizinischen Nutzen.

Warum THC Sie „high“ macht

Wie kann Sie THC eigentlich „high“ machen? Es kommt alles auf das ECS und seine Rezeptoren an. Die im gesamten Gehirn und Nervensystem vorkommenden CB1 Rezeptoren regulieren die Wahrnehmung, das Gedächtnis, die Bewegung, die Sinnes- und sogar die Zeitwahrnehmung. Studien zufolge „aktiviert“ THC Funktionen, welche typischerweise das ECS reguliert. Zu ihnen gehören Appetit, Wahrnehmung, Kognition und Stimmung.

Im Wesentlichen ist es die Kombination all dieser Änderungen, welche den Gesamteffekt hervorruft, den wir als „High“ bezeichnen. Dies erklärt auch, warum das Rauscherlebnis einer jeden Person einzigartig ist. Der Rausch kann zwischen Gefühlen der Begeisterung, dem Couch Potato oder einem richtigen „High“ variieren. Es gibt verschiedene Faktoren, die hier eine Rolle spielen. Während sich einige Wirkungen für die eine Person gut anfühlen, sind sie für andere Personen möglicherweise unangenehm und umgekehrt.

Wie entsteht das „High“

Wenn Sie THC konsumieren, setzt der Körper es ins Blut frei und es schwimmt schnell stromaufwärts, um so das Gehirn in Sekundenschnelle zu erreichen. Das THC ahmt dann die Cannabinoide nach, welche natürlicherweise im Körper vorkommen, und bindet sich so an die Cannabinoidrezeptoren. Die betroffenen Bereiche sind das Kleinhirn, die Großhirnrinde und die Basalganglien. Dies sind alles Teile des Gehirns, die mit Koordination, Konzentration, Vergnügen, Gedächtnis, Denken und motorischen Bewegungen verbunden sind.

Nun zum wirklich interessanten Teil. Der Grund, warum THC diese Bereiche im Gegensatz zu anderen Cannabinoiden wie CBD so stark beeinflusst, liegt in seiner Form. Aufgrund seiner spezifischen molekularen Struktur, geht THC eine Bindung mit den Neurotransmittern – dies sind die Orte, welche die Kommunikation zwischen den Neuronen übertragen – ein. Das Cannabinoid ahmt Anandamid nach, das als wie eingangs beschrieben als „Glücksmolekül“ bekannt und ein natürliches Cannabinoid ist.

Sobald sich das THC fest angedockt hat, übernimmt es die Rolle von Anandamid und regt die Gehirnzellen an, mehr Dopamin freizusetzen. Dies ist das Hormon, das für die gute Laune verantwortlich ist, die Sie fühlen, wenn Sie „high“ sind. Sobald es das THC ins Gehirn geschafft hat, kann das eine Reihe von sensorischen Nebenwirkungen hervorrufen. Zu ihnen gehören Entspannung, Wachsamkeit, Euphorie oder Benommenheit.

Wenn der THC Wert zu stark ansteigt, können andere unangenehme Wirkungen wie Angstzustände, Paranoia, Depressionen oder Müdigkeit auftreten. Körperliche Effekte können Verlangsamung motorischer Bewegungen, Schmerzhemmung, gesteigerter Appetit und Mundtrockenheit sein.

Medizinische Cannabisblüten

Da THC vor allem wegen seiner psychoaktiven Wirkung bekannt ist, ist es die erste Wahl für jene Personen, die Marihuana in ihrer Freizeit rauchen wollen. Viele Menschen wissen jedoch nicht, dass es einige unglaubliche medizinische Vorteile hat. Im Folgenden zeigen wir Ihnen einige medizinische Anwendungen von THC.

Chronischer Schmerz

Einer der beliebtesten medizinischen Vorteile von THC ist seine schmerzlindernde Wirkung. Dabei ist irrelevant, ob es sich um neuropathische Schmerzen oder vorübergehenden Muskelkater handelt. Die Fähigkeit von THC, Entzündungen zu lindern und die Freisetzung von Dopamin zu stimulieren (wie es Opioide tun), macht es zu einer sehr wirksamen Substanz bei der Behandlung von Schmerzen und den damit verbundenen Symptomen.

Entzündungshemmend

Die Entzündung ist ein zugrunde liegender Faktor, der eine Vielzahl von Krankheiten erschwert oder zu ihrer Entstehung beiträgt. Dies bedeutet, dass THC eine Rolle bei der Behandlung all dieser Erkrankungen spielt. Angefangen bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Multipler Sklerose über Autoimmunerkrankungen bis hin zu Depressionen – THC hat seine Wirksamkeit als therapeutische Behandlung bewiesen.

Stimmungsschwankungen

Es kann nicht nur Menschen mit PTBS helfen, ihre traumatischen Gedächtnisassoziationen zu verarbeiten und zu vergessen, sondern es hat auch kurzfristige Auswirkungen, die dazu beitragen, Stimmungsstörungen wie Angstzustände und Depressionen zu verbessern.

Verdauungsstörungen

Ob Sie es glauben oder nicht, sogar die amerikanische FDA hat die Fähigkeit von THC erkannt, Übelkeit, Schmerzen sowie andere Symptome, die mit Magen-Darm-Beschwerden zusammenhängen, zu lindern. Dank der Rezeptoren im Verdauungstrakt kann es Menschen helfen, die an schweren Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts wie dem Reizdarmsyndrom (IBS) oder Morbus Crohn leiden.

Gängige Methoden zum Verzehr von THC

Es gibt heutzutage verschiedene Möglichkeiten, Cannabis zu konsumieren. Es kann sogar ganz schön verwirrend sein, zu entscheiden, welches verwendet werden soll. Hier sind die gebräuchlichsten Methoden zum Verzehr von THC:

  • Rauchen: Es gibt so viele Möglichkeiten, Cannabis zu inhalieren. Joint, Bong, Blunt, Bubbler, Handpfeife usw. Rauchen ist die beliebteste Form des Konsums und der schnellste Weg, um Probleme zu beheben.
  • Verdampfen: Das Verdampfen entwickelt sich in den gesundheitsbewussten Cannabisgemeinschaften wirklich schnell zum Trend. Vaping-Geräte erwärmen Cannabinoide auf eine Temperatur, die ausreicht, um die psychoaktiven Wirkungen von THC freizusetzen, und gleichzeitig so niedrig sind, dass keine schädlichen Toxine freigesetzt werden, die mit der Verbrennung verbunden sind.
  • Lebensmittel: Wie wir alle wissen, erzeugt das Essen von Marihuana ein längeres und stärkeres „High“ als das Dampfen oder Rauchen. Warum ist das aber so? Die Leber metabolisiert gegessenes Cannabis, so dass sich das THC zu 11-Hydroxy-THC umwandelt, welches die Blut-Hirn-Schranke schneller passiert und somit im Vergleich zu Standard-THC psychedelischer wirkt.

Die Legalität

Gegenwärtig ist THC in Deutschland für die medizinische Verwendung legal, aber verschreibungspflichtig. Für den Freizeitkonsum ist es, trotz vieler regionaler Bestrebungen, allerdings in Deutschland nicht legal erhältlich und fällt unter das Betäubungsmittelgesetz.

Die gute Nachricht ist, dass die jüngsten Berichte darauf hindeuten, dass sich in Zukunft etwas in Sachen Legalisation tut. Zum einen ändert sich die Wahrnehmung von Cannabis als Rauschmittel und Medikament und zum anderen verdichten sich die Hinweise, dass die positiven Auswirkungen eines regulierten Marihuanamarktes die möglichen negativen Auswirkungen überragen.

Das Cannabinoid ist jedoch immer noch ein heißes Thema in den Diskussionen um die Legalisierung. Es ist unklar, wie lange es noch dauert, bis Cannabis vollständig legalisiert sein wird.

Was man also wissen sollte

Die meisten Menschen wissen, dass THC der Hauptbestandteil fast jeder Marihuana-Sorte ist. Viele Menschen wissen aber nicht, was es ist und über welche Wirkung es verfügt. Während einige nicht daran glauben, dass es irgendwelche gesundheitlichen Vorteile hat, schwören andere darauf. Wie bei allem, was mit Cannabis zu tun hat, ist auch THC ein heißes Thema.

In dem Maße, in dem man das Cannabinoid zunehmend in der medizinischen Szene akzeptiert, zeigen neue Forschungen immer überraschendere Vorteile der Substanz. Also, wenn Sie das nächste Mal einen Joint rauchen, denken Sie über die positiven Eigenschaften nach und genießen Sie Ihr „High“.